«Die Tiefe Hirnstimulation (THS) erhöht die Lebensqualität von Betroffenen deutlich.»
Die tiefe Hirnstimulation kann bei Personen mit schwer behandelbarer Epilepsie und fehlendem Ansprechen auf die Medikation eingesetzt werden. Erfahren Sie im Interview mit PD Dr. med. Lukas Imbach, Medizinischer Direktor Epileptologie an der Klinik Lengg, und PD Dr. med. Lennart Stieglitz, Leitender Arzt in der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsspital Zürich, die wichtigsten Fakten über dieses neurochirurgische Verfahren.
Herr Dr. Stieglitz, welche Risiken hat die Operation?
Der Eingriff ist komplex, technisch aufwendig und erfordert viel Planung und Erfahrung. Er darf deshalb nur in einem zertifizierten Zentrum angeboten werden. Wir führen diese Operation in Zürich schweizweit am häufigsten durch. Den Risiken schwerer neurologischer Komplikationen von weniger als einem Prozent steht die Chance gegenüber, dass Patientinnen und Patienten eine sehr gute Verbesserung ihrer Anfallssituation erreichen.
Herr Dr. Imbach, wo sehen Sie das weitere Entwicklungspotenzial der THS?
Im Bereich der Epilepsie ist der Einsatz der THS noch relativ neu und wir gehen davon aus, dass das Potenzial der Methode noch bei Weitem nicht ausgeschöpft ist. An unserem Zentrum laufen aktuell zahlreiche Forschungsprojekte zur THS. Ein grosses Potenzial liegt in der Individualisierung der Systeme. Damit könnte die Stimulation künftig zum Beispiel mit personalisierten Einstellungen oder nur bei Bedarf erfolgen.
«Im Bereich der Epilepsie ist der Einsatz der tiefen Hirnstimulation noch relativ neu. An unserem Zentrum laufen aktuell zahlreiche Forschungsprojekte zu diesem Ansatz.»
PD Dr. med. Lukas Imbach, Medizinischer Direktor Epileptologie
Herr Dr. Stieglitz, was ist eine Tiefe Hirnstimulation?
Für die Tiefe Hirnstimulation (THS) implantieren wir feine Elektroden an zwei zentralen Punkten im Gehirn. Diese Elektroden werden mit einem Neurostimulator verbunden, einem kleinen, schrittmacherähnlichen Gerät, das im oberen Brustbereich oder im Bauchbereich unter die Haut platziert wird. Die implantierten Elektroden übertragen dauerhaft elektrische Impulse an strategisch wichtige Orte des Gehirns und beeinflussen deren Funktionen.
Herr Dr. Imbach, wie kann die THS Epilepsie Betroffenen helfen?
Die THS eignet sich für Personen, die nicht auf Epilepsiemedikamente ansprechen und für die keine heilende Epilepsieoperation möglich ist. Mit der THS können wir ihnen dennoch eine wirksame Behandlungsoption anbieten, um die Anzahl und Schwere ihrer Anfälle zu vermindern. Im Durchschnitt können wir so die epileptischen Anfälle um rund 50 bis 70 Prozent reduzieren.